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Die Sonnenuhren am Schloß Oranienbaum




© Michael Sander GNU-Lizenz für freie Dokumentation
https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Schloss_Oranienbaum








Aufnahme vom 24. 4. 2012








„Im Zuge der Gebietsreform wurden die Mitgliedsgemeinden der Verwaltungs-
gemeinschaft "Wörlitzer Winkel" per Gesetz zum 01.01.2011 aufgelöst und zu einer neuen Stadt

Oranienbaum-Wörlitz


zusammengeschlossen.

Diese Stadt best
eht nunmehr aus den Ortsteilen
Brandhorst, Gohrau, Goltewitz, Griesen, Horstdorf, KakauOranienbaum, Rehsen, Riesigk, Vockerode
und Wörlitz.“

 

http://www.oranienbaum-woerlitz.de/


          

Aufmerksam auf die Sonnenuhren des Schlosses Oranienbaum wurde ich durch die Lektüre eines reizenden schmalen Bändchens "SONNEN-UND TURMUHREN", das 1959 im Sachsenverlag Dresden erschienen war. Allerdings war in diesem Büchlein nur eine der beiden Sonnenuhren, nämlich die Süduhr, abgebildet.












Das Schloß Oranienbaum wurde während der Kriegszeit und der nachfolgenden DDR-Zeit unterschiedlicher Nutzung zugeführt und war zu Zeiten der Wende in einem bedauernswert heruntergekommenen baulichen Zustand. Wegen des seit 1948 eingelagerten Landesarchivs war dieses „von innen und außen schöne Beispiel niederländisch geprägten Barocks auf deutschem Boden“ (Thomas Weiß) für Besucher geschlossen.


Es ist ein wahrer Segen, daß dieses sehr liebenswerte, ursprünglich von dem vorzüglichen niederländischen Zimmermann und Baumeister Cornelis Ryckwaert für die Prinzessin Henriette Catharina von Oranien-Nassau errichtete Schloß unter großen Anstrengungen schrittweise restauriert und wieder zugänglich gemacht wird.


                                  


Im Zuge der Restaurierung der beiden symmetrisch angeordneten und sich gegenüber liegenden Kavalierhäuser wurden auch deren beide Sonnenuhren abgenommen. Das nach Süden gelegene Kavalierhaus ist außen bereits saniert und trägt eine Neufassung der ursprünglichen Süduhr. Das nach Norden gelegene Kavalierhaus harrt noch einer baulichen Rettung. Die Nord-Sonnenuhr wurde jedoch 2007 bereits durch Diplomrestauratorin Angela Günther aus Dessau sehr sensibel und vorzüglich restauriert.











Wenn man sich den Text zur Norduhr aus dem Katalog „Sonnenuhren Deutschland und Schweiz von Hugo Philipp †, Daniel Roth und Willy Bachmann der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie anschaut, fällt auf, daß der Schreiber dieser Zeilen bei dieser Norduhr ziemlich ratlos war. Er merkt nämlich an: "gleiches Zbl. wie auf Südseite, also unpassend ! trotz aufgerichtetem Stab."


Es reicht eben doch nicht aus, Sonnenuhren richtig berechnen zu können und danach dann die Datenlage getreulich niederzuschreiben!

06185 Oranienbaum  SA 51°47’  -12°24’


Schloß, Seitenflügel, Nordseite oberh. Eingang
Wand-SU, Zbl: vert., eben 120x100, Zeit: WOZ ital. babyl., Zählg: 7-12-6, arab., Skalen: Strahlen Halbkreis ½, Datlin: Tierkreis, j Wo: Auf-Unterg-Zeiten Tag-Nacht-Std, Schattenw: Polstab gestützt. Malerei: Sonne Tierkreisfiguren schwebender Engel m 2 Kränzen, Werkstoff: Holzplatte, Entst: vermutl. 1700, Stil: barock, Zustand: gut, Anmerk: gleiches Zbl. wie auf Südseite,
also unpassend ! trotz aufgerichtetem Stab (DGC 6828)

Der Eintrag über diese Sonnenuhr ist aus dem Katalog "Sonnenuhren Deutschland und Schweiz" der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie von 1994





Es darf vermutet werden, daß der DGC-Protokollant sich noch die Mühe gemacht hat und die Sonnenuhr nachberechnet hat. Dabei wird er zum Ergebnis gekommen sein, daß diese Sonnenuhr im günstigsten Fall die Zeit zwischen 15:30 Uhr und 18:00 Uhr anzeigen kann, wenn nicht gar obendrein noch das überstehende Dach einen Strich durch die Rechnung macht. Und nun auch noch dieses üppige gnomonische Programm mit den Stunden in wahrer Ortszeit, babylonischen und italischen Stunden, den Datumslinien, Tierkreiszeichen, Angaben über Nachtlängen, Sonnenauf- und Untergangszeiten!





Der Konstrukteur und Maler dieser gut 300 Jahre alten Sonnenuhr wäre durchaus in der Lage gewesen, eine Norduhr für die mögliche recht kurze Anzeigezeit zu berechnen und zu gestalten, wie eine Nachberechnung der Konstruktion durch den mallorcinischen Gnomonisten
Joan Serra zeigt:





Was hat den Sonnenuhrbauer um rund 1700 also dazu bewogen, quasi eine Art Spiegelbild der Südsonnenuhr zu bauen? Die Erklärung verdanke ich dem Diplomkonservator Robert Hartmann: Es ist die Lust an der Symmetrie zur Barockzeit!

Das Pendant zur Hauptuhr, der nach Süden gewandten Sonnenuhr, sollte symmetrisch in der Norduhr aufscheinen!















Bei der durch die Witterungseinflüsse sehr viel stärker beschädigten Süd-Sonnenuhr war eine Restaurierung wie bei der Nord-Sonnenuhr nicht mehr sinnvoll zu leisten. Die Sonnenuhr wurde im Laufe ihres langen Lebens mehrfach restauriert und teilweise übermalt - zuletzt im Jahr 1934 durch einen Malermeister aus Oranienbaum.





Beide Sonnenuhren waren auf Bleiblech gemalt. Heutzutage stehen für diesen ungewöhnlichen Malgrund ganz andere Malmittel zur Verfügung als in früheren Zeiten. Man entschied sich deshalb zu einer Neufassung der Sonnenuhr auf Grundlage der vorgefundenen Daten, jedoch in einer neuen figürlichen Gestaltung.



Die Neugestaltung der Süd-Sonnenuhr wurde ebenso wie die Restaurierung der Nordsonnenuhr von Dipl.-Restauratorin Angela Günther aus Dessau durchgeführt.

Die Kosten wurden durch Spenden von Je Maintiendrai Nassau, Regentesselaan 9, NL-3762 DS Soest übernommen!






Die Daten aus dem DGC-Katalog:
06185 Oranienbaum  SA     51°47'  -12°24'

 

Schloß, Seitenflügel, oberhalb Tor. Wand-SU, Zbl.: vert., eben 120 x 100, Az +15°, Zeit: WOZ ital. babyl., Zählg: 7-12-6, arab, Skalen: Strahlen Halbkreis 1/2, Datlin: Tierkreis, Info: Auf-Unterg-Zeiten Tag-Nacht-Std, Schattenw: Polstab gestützt. Malerei: Sonne Tierkreisfiguren schwebender Engel m 2 Kränzen, Werkstoff: Holzplatte, Entst. vermutl. 1700, Stil: barock, Zustand: gut

(DGC 5593)

 
Der Eintrag über diese Sonnenuhr ist aus dem Katalog "Sonnenuhren Deutschland und Schweiz" der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie von 1994




















Damit haben wir auf Schloß Oranienbaum ein einzigartiges Ensemble von zwei fein korrespondierenden Sonnenuhren, wie es weltweit nach meinem Wissen kein zweites Mal vorkommt.


In das südliche Kavalierhaus hat man zum Besuch der niederländischen Königin am 25. 4. 2012 nun ein kleines Café eingebaut.













Also eine echte Sonnenuhrenrarität, zu der es sich lohnt auch von weit her anzureisen, zumal das Schloß, der Schloßgarten, die Bauhaus-Meisterhäuser in Dessau-Roßlau spielend einen kulturellen Tag randvoll zu füllen vermögen und für den Folgetag empf
ehle ich dann noch das Weltkulturerbe Wörlitzer Gartenreich!



Seit dem 26. Juni 2011 gibt es einen kleinen Sub-Link bei

                                       „Meine Bücher“:

Bei Henriette Catharina im Schloß Oranienbaum




Ich danke dem Bildarchiv der  Kulturstiftung DessauWörlitz sehr herzlich für die freundlich erteilte Genehmigung der Nutzung einiger Fotos hier auf meiner Website www.ta-dip.de!

Am 15. Oktober 2011 habe ich an der Tagung der französischen Sonnenuhrengesellschaft CCS teilgenommen und dabei einen Vortrag gehalten mit dem Titel:


Philippe Sauvageot, Präsident der Commission des Cadrans Solaires de la SAF, bei der Eröffnung der Tagung. Links die Schriftführerin Veronique Hauguel:



Der Tagungsort, das Kulturzentrum Atrium in Chaville bei Paris:




Bei meinem Vortrag: Links von mir mein Freund und Übersetzer Joël Robic. Ich halte meine Sonnenuhren-Vorträge im Ausland immer in englischer Sprache.



Foto: Claude Gahon



Foto: Jean-Michel Ansel


Im Gespräch mit Joël Robic. An der Wand zwei meiner drei Poster. Meine Geschenke: die Schokoladenbox, zahlreiche Materialien zum UNESCO Weltkulturerbe Wörlitzer Gartenreich sowie die eigens von Prof. Liebscher für den Tagungsort Chaville und für das SAF-Büro in Paris berechneten Tricorne Papiersonnenuhren waren zur Mittagspause weitgehend abgeräumt.

http://www.aip.de/~lie/Dreispitz/  und  http://www.aip.de/~lie/Dreispitz/#Files











CADRAN INFO n° 24 d'octobre 2011

160 pages traitant des sujets suivants:




Und nun noch zu den Vortragstexten.


Das englischsprachige Vortragsmanuskript wird gefolgt von der französchen Übertragung durch Philippe Sauvageot (Im Buch abgedruckt) und außerdem ist im Cadran Info- Buch noch ein Beitrag von Philippe Sauvageot über meine Sonnenuhren-Recherchen in den Hannoveraner "Herrenhäuser Gärten".


Reinhold R. Kriegler: Les deux cadrans solaires pour Henriette Catharina (English text manuscript)

Reinhold R. Kriegler: Cadrans pour Henriette Catharina


Reinhold R. Kriegler: Trois cadrans à Hanovre






Für weitere Infos zu diesem Cadran Info N° 24 - Buch gehen Sie bitte zum Link Buchempfehlungen!


Außerdem noch: Cadran Info



Ich schätze mich überaus glücklich, die nachfolgenden Fotos aus dem Jahr 1927 hier zeigen zu dürfen! Dem Fotografen ging es um die Darstellung der historischen Pflanzkarren mit vorgespanntem Zugpferd!

Mir aber geht es um die Aufnahme der Süd-Sonnenuhr - oberhalb der Pferdeohren an der Fassade des Kavalierhauses!





KsDW, Bildarchiv, Glasplatte von 1927, bearbeitet von P.U. Winkelmann
Alle RECHTE ausschließlich bei der Kulturstiftung DessauWörlitz, Bildarchiv.



Auch das nächste Bild gibt den Blick rechts frei auf das Kavalierhaus mit der Sonnenuhr an der südlichen Fassade.




KsDW, Bildarchiv, Glasplatte von 1927, bearbeitet von P.U. Winkelmann
Alle RECHTE ausschließlich bei der Kulturstiftung DessauWörlitz, Bildarchiv.





Postkarte: Max Friedrich Likörfabrik
Alle RECHTE ausschließlich bei der Kulturstiftung DessauWörlitz, Bildarchiv.



Ich freue mich, heute am 20.1.2012 vermelden zu dürfen, daß die niederländische Königin Beatrix am 25. April 2012 nach acht Jahren wiederum das Schloß Oranienbaum besuchen wird und aus diesem Anlaß auch die oben angezeigte niederländische Designausstellung eröffnen wird!



Am 4. 3. 2004                                                                                  © KsDW, Bildarchiv

Und am 25. 4. 2012 sah es so aus:





                                                   

Eine leider für das zahlreich anwesende Publikum ziemlich mißglückte und wenig durchdachte Veranstaltung: Wenige Reihen geladener Gäste saßen unterm offenen Zelt. Sicherheitsleute, Fotografen und Designer verdeckten den Blick auf die Königin völlig.

Mein Schnappschuß von der Königin, die Treppe herabschreitend, war ein Glückstreffer. Die Lautsprecher für die Reden waren nur für die vergleichsweise wenigen Gäste im offenen Zelt hörbar. Das hätte man mit weit geringerem Kostenaufwand auch im Schloßinneren inszenieren können.


Demokratie
verlangt nach echter Teilhabe des Volkes; keine Pseudo-Öffentlichkeit!

Die zahlreich erschienenen und in großem Abstand ferngehaltenen Besucher äußerten - wie ich meine - zurecht ihren Unmut!









Ein Blick hinter die Kulissen am Vortag des Königinnenbesuchs: Das Zelt für die "Prominenten" wurde errichtet...

http://whc.unesco.org/en/list/534







Copyright: © UNESCO
Author: Patricia Alberth
Image Source: Patricia Alberth

Die Patricia Alberth hat bei ihrem Foto leider übersehen, was man da für ein Sonnenuhrenschatz hätte en passant der Welt zeigen können.

Schade! Chance vertan!

 

 





Die Sonnenuhren am Schloß Oranienbaum