Marius Simon
Simon Marius - latinisiert von Mayr, wurde am 10. Januar 1573 in Gunzenhausen/ Bayern geboren und verstarb am 26. Dezember 1624 in Ansbach. Er war Astronom, wollte Schüler von Tycho Brahe werden, doch dieser verstarb kurz nachdem er bei ihm in Prag eingetroffen war. Er stand mit Johannes Kepler in guter Verbindung. 1610 entdeckte er die vier großen Jupitermonde. Es gab darüber einen Prioritätsstreit mit Galileo Galilei, bei dem sich dieser durchsetzte. Vergleichbares geschah auch Christoph Scheiner mit seiner Entdeckung der Sonnenflecken. Auch hier legte sich Galileo vehement ins Zeug und beanspruchte die Erstentdeckung für sich. Wir haben es also mit zwei Bayern zu tun, die gegenüber dem mächtigen (näher beim Papst wohnenden) Italiener die Ehre der Erstentdeckung aus nie ganz geklärten Gründen dem Galileo überließen. Nun, Scheiner war Jesuit, der in seinem Kloster von Neidhammeln tyrannsiert wurde, indem sie ihm ein Buch, das ihm wichtig war, vorenthielten und er wie ein kleiner Schuljunge darum betteln mußte, wenn er darin lesen wollte. Doch darauf soll bei Scheiner näher eingegangen werden!
Hans-Ulrich Keller schreibt dazu: "In seinem Buch 'Mundus Iovialis' (Die Welt des Jupiter) beschreibt Marius, daß er erstmals am 29. Dezember 1609 die Begleiter des Jupiters durch sein Fernrohr erkannte. Allerdings erschien dieses Buch erst 1614, während Galilei seine Entdeckungen der Jupitermonde bereits 1610 im Nuncius Sidereus, dem Sternenboten, bekannt gab. Demnach sah Galilei erstmals am 7. Januar 1610 die Begleiter des Jupiters.
Marius war damit wohl etwas früher dran. Allerdings gilt es zu bedenken: Als guter Katholik folgte Galilei dem Papst in Rom, zumindest in folgendem Punkt: E verwendete den damals brandneuen Gregorianischen Kalender. Marius hingegen war Protestant. In Ketzerischer Manier hielten die Protestanten am Julianischen Kalender fest - sogar bis 1700. Der 29. Dezember 1609 des Julianischen Kalenders entspricht aber dem 9. Januar 1610 im Gregorianischen Kalender. Somit entdeckten Marius und Galilei die Jupitertrabanten praktisch zeitgleich und unanbhängig voneinander. Galilei hatte aber - und das ist entscheidend für seinen Ruhm - seine Entdeckung viel früher publiziert."
"Marius entdeckte weiterhin - ebenfalls unabhängig von anderen Astronomen - die Sonnenflecken, sowie im Jahr 1612 auch den Andromedanebel (Messier-Nummer M 31), die unserer Sonne nächstliegende große Galaxie. Daß sie ein Sternsystem wie unsere Milchstraße ist, konnte aber erst 1923 Edwin Hubble am 2, 5 Meter-Teleskop des Mount-Wilson-Observatoriums nachweisen. Dem freien Auge erscheint sie als winziges Wölkchen, das von einem Stern 5. Größe kaum zu unterscheiden ist."
Ernst Zinner schreibt über Simon Marius in "Deutsche und Niederländische Astronomische Instrumente des 11. - 18. Jahrhunderts" auf Seite 221:
Simon Marius (Mair)
Am 10. Januar 1573 zu Gunzenhausen geboren, besuchte die fürstliche Akademie zu Heilsbronn, hielt sich einige Zeit in Prag und in Italien auf, kehrte 1605 nach Franken zurück und lebte seit l606 a l s fürstlicher Hofastronom in Ansbach bis zu seinem Tode am 26. Dezember 1624. Er beobachtete eifrig die Himmelsvorgänge und das Wetter, entdeckte den Andromedanebel, die Jupitermonde und den Gestaltenwechsel der Venus. Die Neuen Sterne beobachtete er sorgfältig und veröffentlichte seit 1601 jährlich Kalender und Vorhersagen.
Als er von der Erfindung des Fernrohres hörte [271 S. 336], erkannte er sofort die Wichtigkeit dieser Erfindung und versuchte selbst ein Fernrohr zu bauen, was wegen der Ungeeignetheit der Linsen mißlang. Im Sommer 1609 erhielt er zum Beobachten belgisches Fernrohr, Ende 1609 baute er sich aus venetianischen Linsen ein anderes Fernrohr und erwarb 1613 in Regensburg ein Fernrohr. Sein trompetenförmiges Fernrohr, mit dem er wohl die Jupitermonde entdeckte, ist auf seinem Bildnis von l 6 1 4 zu sehen - Es hat anscheinend eine Länge von 40 cm und eine Öffnung von 20 mm mit 2 Auszügen. Diese Fernrohre sind verschollen. Dagegen wurde dem Deutschen Museum in München als Fernrohr des Marius ein 660cm langes Fernrohr geschenkt, das sich auf die halbe Länge verkürzen läßt. Offenbar gehörte das Fernrohr nicht dem Marius, sondern der Altdorfer Sternwarte (S. 219).
Lebenslauf: E. Zinner, Zur Ehrenrettung des Simon Marius (Vierteljahrsschrift
d. Astronom. Gesellschaft 77, Leipzig 1942, S. 153).
Bildnis: Holzschnitt von 1614, ihn mit seinem Fernrohr darstellend (Bild 13).
Dem Holzschnitt ist folgender Bildvermerk beigegeben:
Simon Mayr (1573-1624)
Astronom und Kalendermacher in Ansbach
Bildnis (halbe Figur stehend von rechts) hinter Tisch, auf dem die Rechte mit einem Zirkel ruht sowie ein Buch und ein Fernrohr liegt, in der Linken Phiole haltend.
Holzschnitt, ohne Künstlervermerk

Aus dem Galileo-Project:
"In 1602 Marius began tutoring Baldessar Capra (a rich student from Milan) in mathematics and astronomy. The two observed the nova of 1604, and with Marius's help Capra published a book on that new star. In 1607 Capra published under his own name Galileo's instruction manual on the sector, which circulated in manuscript. For this Capra was expelled from the university. It appears that Marius had an important role in this plagiarism, but he had returned to his native land in 1605. In Italy, however, Marius's reputation was tarnished by this fraud and by certain other questionable practices as head of the German Nation.
Upon his return from Italy, Marius settled in the city of Ansbach as court mathematician and married Felicitas Lauer, the daughter of his publisher. In 1609 he published the first German translation (from the Greek) of the first six books of Euclid's Elements. But Marius's most memorable (and controversial) research involved the telescope.
In the fall of 1608, Marius learned from an artillery officer that at the Frankfurt Fair a Dutchman had tried to sell him a spyglass (see telescope ). Together the two quickly reproduced the device by using spectacle lenses but it was not until at least a year later that Marius obtained instruments good enough for astronomical observations. Marius's oldest surviving observation of Jupiter's satellites dates from the end of December 1610. In his prognostications for 1612, finished in March 1611, he stated that he had observed Jupiter's moons since December 1609 and was busy determining the periods of the satellites.
Zum Abrufen der Sublinks sollte man besser auf die Originalquelle zurückgreifen: http://galileo.rice.edu/
Im Galileo Project, das naturgegeben sehr auf Galileo fokussiert ist und ihn in möglichst großem Glanz darzustellen versucht, kommt unser bayerischer Astronom Simon Marius reichlich schlecht weg. Er wird ja auch keine Chance gehabt haben, sich gegen den Platzhirschen Galileo und seinen mächtigen Unterstützern - allen voran dem Papst - publizistisch wirkungsvoll zur Wehr zu setzen. Da er seine Entdeckungen nicht sofort publiziert hat, ist ihm allerdings ein Fehler unterlaufen, den man als Wissenschaftler eigentlich nicht machen darf. Nur das Publizieren ist maßgeblich - ein nachträgliches Jammern, man habe dies oder jenes früher entdeckt, hilft da überhaupt nicht und liefert nur dem Gegner Argumentations-Munition. Dennoch bleibt festzuhalten: Es muß triftige Gründe gegeben haben, warum Simon Marius seine Entdeckungen nicht sofort publiziert hat oder nicht publizieren konnte.

Eine wahre Augenweide dieser Buchtitel! Wenn man mit der Tochter eines Verlegers verheiratet ist, bekommt man solche fürwahr glanzvoll gestaltete Bücher gesetzt! Wäre interessant zu erfahren, ob die Tochter hübsch war oder ob der "Zusatznutzen" für den Herrn Mair wichtiger war. Die Liebe war jedenfalls groß, wenn man die stattliche Kinderzahl betrachtet, von der die Literatur zu berichten weiß!
Ich habe mir das Buch aus dem Jahr 1988 in einer zweisprachigen (lateinisch und deutsch) Neuauflage antiquarisch gekauft und hinterher festgestellt, daß das Buch auch neuwertig und zu einem günstigeren Preis beim Schrenk-Verlag – siehe unten – immer noch erhältlich und über das Internet bequem zu bestellen ist.
Aus dem Galileo-Projekt:
"In 1614 Marius published the fruits of his research on Jupiter in a book entitled Mundus Iovialis anno M.DC.IX Detectus Ope Perspicilli Belgici ("The Jovian World, discovered in 1609 by means of the Dutch Telescope"), in which he claimed that he had observed Jupiter's moons beginning as early as late November 1609 and had begun recording his observations on 29 December. Now Marius was using the Julian calendar, and this date corresponds to 8 January on the Gregorian calendar. Since Marius did not publish any observations, as Galileo had done in his Sidereus Nuncius, it is impossible to verify Marius's claim. His reputation was, however, not the highest. Galileo responded to Marius's claim in his Assayer of 1623. He began by complaining about those who had tried to steal his inventions and then took aim at Marius: Of such usurpers I might name not a few, but I shall pass them over now in silence, as it is customary for first offenses to receive less severe punishment than subsequent ones. But I shall not remain silent any longer about a second offender who has tried too audaciously to do me the very same thing which he did many years ago by appropriating the invention of my geometric compass, despite the fact that I had many years previously shown it and discussed it before a large number of gentlemen and had finally made it public in print. May I be pardoned this if, against my nature, my habit, and my present intentions--I show resentment and cry out, perhaps with too much bitterness, about a thing which I have kept to myself these many years. I speak of Simon Marius of Gunzenhausen; he it was in Padua, where I resided at the time, who set forth in Latin the use of the said compass of mine and, appropriating it to himself, had one of his pupils print this under his name. Forthwith, perhaps to escape punishment, he departed immediately for his native land, leaving his pupil in the lurch as the saying goes; and against the latter, in the absence of Simon Marius, I was obliged to proceed in the manner which is set forth in the Defense which I then wrote and published. Four years after the publication of my Sidereal Messenger, this same fellow, desiring as usual to ornament himself with the labors of others) did not blush to make himself the author of the things I had discovered and printed in that work. Publishing under the title of The Jovian World, he had the temerity to claim that he had observed this Medicean planets which revolve about Jupiter before I had done so. But because it rarely happens that truth allows herself to be suppressed by falsehood, you may see how he himself, through his carelessness and lack of understanding, gives me in that very work of his the means of convicting him by irrefutable testimony and revealing unmistakably his error, showing not only that he did not observe the said stars before me but even that he did not certainly see them until two years afterwards; and I say moreover that it may be affirmed very probably that he never observed them at all.”...
So, nun hat Galilei ausreichend Gelegenheit bekommen, durch das Sprachrohr des "GALILEO PROJECTs" seine Sicht der Dinge in Bezug auf Simon Marius darzulegen. Ich kann mich dennoch des Eindrucks nicht erwehren, daß dieser seinerzeit und bis auf den heutigen Tag hochberühmter Galilei sicherlich ein recht "schwieriger" wenn nicht gar "unangenehmer" Charakter war. Sein "Märtyrertum" mit diesem erzwungenen "Wiederruf" hat ihm letztlich nur genützt und der "Hausarest" in seinem edlen Wohnsitz hatte ja auch den Vorteil, daß er unbehelligt vom Tagesgeschehen munter weiterforschen und weiterschreiben konnte und keineswegs in einem dumpfen Gefängnisverließ schmachten mußte. Ich hoffe, daß es mir gelingen wird, Simon Marius, meinen Bewohner des Salons der Astronomen gut illuminieren zu können.
Simon Marius, Mundus Jovialis - Die Welt des Jupiter
aus dem Jahr 1988 ist ein äußerst sorgfältig und schön gestaltetes Buch.
Die Lateiner unter Ihnen können sich am Originaltext verlustieren, die andern, die nur das große oder kleine Latinum erworben haben, dürfen auch auf den deutschen Text schauen.
Dieses Buch ist summa summarum eine echte Rarität!
Es ist beim Schrenk-Verlag zum Netto-Preis von 9,35 Euro – inklusive Steuern und Versandkosten für 18, 50 € in der Reihe „Fränkische Geschichte“ erhältlich!
www.schrenk-verlag.de
Herr Dr. Schrenk hat mir freundlicherweise gestattet, gescannte Abbildungen aus dem von ihm herausgegebenen Simon Marius- Buch (Siehe oben!) zu verwenden, wofür ich herzlich danke. Die zwei Grafiken von Marius' Geburtsort Guntzenhausen und Wohnort Ansbach - beide nach seinem Tod entstanden - mögen trefflich illustrieren, in welchem Ambiente sich Marius aufgehalten hat. Schade, daß mir für meine Wandzeichnung im Salon der Astronomen nicht die weitaus trefflichere Abbildung aus dem Marius-Buch zur Verfügung stand!
Hier ist die ins Deutsche übertragene Übersetzung aus dem Buch SIMON MARIUS, MUNDUS IOVIALIS:
Hier ist ein Lebenslauf von Simon Marius, wie er auf Seite 172 in dem Buch abgedruckt ist.
Ich war erstaunt, in dem Nachwort von Alois Wilder zu lesen, daß Christoph Scheiner sich äußerst despektierlich über Simon Marius in Bezug auf Galilei ausgelassen habe, was ich bislang nicht wußte. Gerade bei Scheiner verwundert mich das, der doch selbst durch Galiliei auf sehr ruppige Weise um die Ehre der Erstentdeckung der Sonnenflecken gebracht wurde. Aber es ist wie immer: Je genauer man hinschaut, umso mehr „menschelt“ es und es mußten sich viele in der Zeit der allmächtigen römisch-katholischen Regentschaft ganz gewaltig ducken und sie mußten klein beigeben vor den Priviligierten!
Gerade vor diesem Hintergrund kann die Leistung eines Simon Marius gar nicht hoch genug eingeschätzt und gepriesen werden. Man stelle sich nur vor, wie er von dem belgischen respektive niederländischen "Spyglass" erfuhr und auf welch verschlungenen Wegen er es innerhalb eines Jahres von dort beziehen konnte! Jahrelang endlose Nächte in bitterer Kälte, Notationen in der Finsternis. Zahlreiche Fehlerquellen der noch unzulänglich geschliffenen und nicht genau eingesetzten Glaslinsen mußten überwunden werden. Danach endlose Rechnereien mit nicht genormten allgemein gültigen Maßeinheiten, die richtigen Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen und auf richtigen Pfaden weiterzuforschen… danach diesen ganzen Wust von Notaten in ein verständliches Filtrat zu gießen und auf Latein niederzuschreiben. All das mit einer quengelnden Kinderschar und dem Verlust von fünf Söhnen durch einen frühzeitigen Tod und das alles bei durchaus bescheidenem Salär. Die mühsamen Versuche mit allerlei Kalendern und Prognosen Nebeneinkünfte zu erzielen, das Gezänk mit den neidischen "Kollegen" - all das war wahrlich kein Honigschlecken!
I would like to recommend:
Simon Marius
Module by: Albert Van Helden
Summary: A brief biography of Simon Marius (1573-1624).
cnx.org/content/m11973/latest/
Hans-Ulrich Keller
... hat in seinem Buch Kosmos Himmelsjahr 2009: Sonne, Mond und Sterne im Jahreslauf (Broschiert), das bei AMAZON für 14,95 Euro erhältlich ist, einen vorzüglichen und sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht:
Monatsthema August 2009:
Simon Marius -
der vergessene Astronom
Wie schön, daß ich heute, am 1. April 2011 in den bibliographischen Angaben des Buches von Albert van Helden, Sven Dupré, Rob van Gent & Huib Zuidervaart, _The Origins of the Telescope_ (Amsterdam: KNAW Press, 2010) - ISBN 978 90 6984 615 6, 376 pages, € 49,00…diesen Hinweis fand:
Schlor, Joachim (ed.), Simon Marius Mundus Iovialis-Die Welt des Jupiter (Gunzenhausen, 1988).
— Simon Marius. Der frankische Galilei. Eine lateinische Textsammlung die Mittel- und Oberstufe.
Internet publication (2008) on http://www.smg1.eu/j-smarius/fraenk_gal-4.pdf
Nun ja, den Titel dieser Abhandlung mag ich gar nicht, aber alles andere ist „spitzenmäßig“!


Die Datei ist zu groß - bitte aus dem gelb markierten Link abrufen!
Internet publication (2008) on http://www.smg1.eu/j-smarius/fraenk_gal-4.pdf
Ich habe mit großem Wohlgefallen gelesen, was Alois Wilder in seinen Schlußbemerkungen mit dem Titel „Der Mundus Iovialis aus der Sicht des modernen Astronomen“ anführt und freue mich sehr, daß ich seinen großartigen Aufsatz in der Bibliographie von origins of the telescope - royal netherlands academy of arts and sciences, 2010 entdeckt habe.
…
“Dass Marius über die Verwendung der beiden verschiedenen Kalender
Bescheid wusste, zeigt die zweifache Angabe (julianisch/gregorianisch) eines
Datums auf Seite 118 des Werkes. Die Frage der Erstentdeckung ist jedoch im
Streitfall zwischen Marius und Galilei nur von untergeordneter Bedeutung, da es
trotz fehlender Aufzeichnungen sehr wahrscheinlich ist, dass Marius mit dem
ihm seit Sommer 1609 zur Verfügung stehenden Fernrohr schon im Spätherbst
den Jupiter beobachtete. Diese Vermutung liegt deshalb nahe, weil er in einem
Prognosticon der Vorjahre auf die günstige Beobachtungsperiode des Jupiter bei
der im Jahr 1609 bevorstehenden Oppositionsstellung hinwies.
Was die Vorwürfe wegen der Umlaufzeiten und der Beobachtungen der
Bewegung der Monde in der Breite angeht, haben sehr gründliche
Untersuchungen von Oudemans und Bosscha aus dem Jahr 1903 zweifelsfrei
gezeigt, dass Marius durch selbständige Arbeit zu seinen Ergebnissen gekommen
ist. Es ergab sich, dass seine Werte der Umlaufzeiten genauer waren als die von
Galilei bis 1614 veröffentlichten. Außerdem konnte Manns zum Zeitpunkt der
Veröffentlichung seiner ersten Werte im Prognosticon von 1613 (Widmung vom
30. Juni 1612) die ersten Abschätzungen der Umlaufzeiten von Galilei in dessen
am 23. Juni 1612 versandten Druckschrift kaum gekannt haben.
Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass viele zeitgenössische Astronomen
sich durch die unbegründeten Vorwürfe des Galilei dazu bringen ließen, die
Behauptungen unkritisch zu übernehmen oder sogar in falsch verstandener
Hochachtung Galilei in den Schmähungen noch zu übertreffen. Ein unrühmliches
Beispiel dieser Art unter vielen anderen war der Ingolstädter Jesuitenpater
Christoph Scheiner, der vor allem durch die Beobachtung der damals entdeckten
Sonnenflecken bekannt geworden war.
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Unter seiner Schirmherrschaft brachte 1614 J. G. Locher sein Buch
Disquisitiones Mathematicae heraus, in dem Scheiner Manns als einen
Calvinisten bezeichnet, der vergeblich und ärgerlicherweise versucht habe,
glauben zu machen, dass die Jupitermonde nicht von Galilei entdeckt worden
seien.
Weiter beschreibt Scheiner die Abweichungen der Monde in der Breite
genauso, wie sie im Mundus Iovialis beschrieben waren, ohne dass er die
Übernahme von Manns erwähnte. Liest man die Beschreibung zum siebten
Phänomen und seine theoretische Deutung durch Marius, so läßt es sich leicht
denken, dass diese sehr detaillierten Ausführungen und das überzeugende
Widerlegen der verfehlten Erklärung Galileis dessen nicht geringes
Selbstbewusstsein sicher tief getroffen haben müssen. So ist eine übersteigerte
Reaktion des ,,unfehlbaren" Galilei durchaus nachvollziehbar.
Möge diese Textsammlung dazu beitragen, dass sich jeder deutschsprachige
Leser ein eigenes Bild von den selbständigen und originellen Leistungen des
Simon Marius verschafft und dieser dadurch in der wissenschaftlichen Welt
vollständig rehabilitiert wird.
(Alois Wilder, Physiklehrer am SMG)“
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© Alois Wilder
