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Kögler Ignaz


Der Ignaz Kögler SJ ist im Laufe des Jahres 2011 in den Salon der Astronomen eingezogen.

Ignatius Kögler SJ 戴進賢 (1680-1746) 將於今年 (2011) 遷入天文學家館,敬請期待。


Am 11. Mai feiert Ignaz Kögler Geburtstag und ich freue mich sehr, daß ich zu diesem Tag meinen Kögler- Link zu einem gewissen vorläufigen Abschluß bringen kann. Am 25. Februar 2011 hatte ich den Link mit einigen wenigen Zeilen und Bildern eingerichtet und seither mehrfach verändert und ausgeweitet, so wie ich es traditionell bei all meinen Astronomen im Salon halte. Es lohnt sich also durchaus, mal wieder zu einem bereits bekannten Link zu gehen und nachzuschauen, ob sich was verändert hat. Ich konnte also rechtzeitig zum Geburtstag sein von mir gemaltes Abbild im Salon fertigstellen.


Weiter geht es unten beim Ostersonntag 2011 im Salon der Astronomen!






Landsberg am Lech um ca. 1560




Old Planetarium view from back - Quelle: Wikipedia




© Joseph Needham, Wang Ling, Science and civilisation in China, Vol. 3, plate LXVII



© Joseph Needham, Wang Ling, Science and civilisation in China

Im Internet findet sich eine riesige Zahl von Abbildungen dieses Observatoriums, teilweise in sehr bemerkenswerter Bildqualität.




Ill. 1. The Imperial Observatory in Beijing with several bronze instruments, such as a

quadrant, an ecliptic armillary sphere and an altazimuth instrument (1674). Engraving

by Caspar Luyken from Le Comte, Beschryvinghe van het Machtige Keyserryk China

(1698).

http://www.creativecommons.org/licenses/by/3.0/nl/


"The interest in astronomy and the telescope in Japan is equivalent to the interest in China. The history of science and technology in China is long and rich. The earliest recorded observations of comets, solar eclipses, and supernovae were made in China. The four great inventions of ancient China, the compass, gunpowder, papermaking, and printing, were among the most important early technological advances, and only became known in Europe toward the end of the Middle Ages."






© Joseph Needham, Wang Ling, Science and civilisation in China



Gian Paolo Costa hat in der Italienischen Sonnenuhren-Mailingliste „gnomonicaitaliana“ im September 2013 diese beiden nachfolgenden Postkarten-Aufnahmen veröffentlicht, für die ich sehr dankbar bin. Sie sollen ab jetzt hier in meinem schönen Kögler-Link bleiben!








Herzlichen Dank, Gian Paolo Costa!






     

Drei Detailansichten aus dem Blatt Huangdao Zongxingtu von Ignaz Kögler und Ferdinando Moggi





Südlicher Sternenhimmel





Nördlicher Sternenhimmel





© Library University of Glasgow


>The engraved map is by Ignatius Kögler, a member of the Portuguese Jesuit house at Beijing. He was appointed President of the Bureau of Astronomy and Mathematics at the Ch’ing court under the emperor K’ang-hsi. The map represents the northern (right) and southern (left) stellar hemispheres. The title, in Chinese characters, is translated as “Table of the Ecliptic and of all the Stars”.<

SOURCE

http://www.bbkl.de/k/Koegler_i.shtml






Am Ostersonntag 2011 im ...




Erste Konstruktionslinien für den Ignaz Kögler...


... und weiter in den folgenden Tagen ...


Es standen mir diesmal lediglich zwei überlieferte Abbildungen dieses bayerischen Jesuiten und in China am Kaiserhof tätigen Astronomen zur Verfügung, wobei ich mich sehr rasch für die reichlich kuriose und in den Details undeutliche Schwarzweiß-Abbildung entschied. Die tauchte sowohl bei den beiden Dissertationen über Kögler auf, als auch in etlichen Links im Internet. Die Darstellung ist derart gedrechselt und kapriziös, daß es geradezu amüsant ist, wie dieser aus den Zünften des Jesuiten-Ordens und von den beiden Doktoranden so sehr gerühmte und lange Zeit in Chinesischen Diensten in Peking lebende Pater dargestellt wurde.














Es fällt zunächst der Chinesenzopf auf, sowie eine „chinesisch“ anmutende Kopfbedeckung. Es ist kaum anzunehmen, daß der Ignaz Kögler mit diesem Deckel auf dem Kopf sein Führungsamt auf der Aussichtsplattform wahrnahm, die auch heute noch in Peking besteht und in zahllosen historischen Abbildungen und teilweise vorzüglichen Fotos auch im Internet bequem am Bildschirm zu studieren ist. Daß er sich aber einen Chinesenzopf geflochten haben soll, das habe ich derart kurios gefunden, daß ich es genau wissen wollte, wie lang diese Zöpfe überhaupt in China „in Mode“ waren und ich wurde tatsächlich fündig:

Das 3. Handbuch des nutzlosen Wissens

 

Von Hanswilhelm Haefs

© und Quelle:  H I E R !








...




...




So, nun wissen wir's!






































Die beiden Hände sind derartig kapriziös angeordnet, daß ich mich entschloß wenigstens die obligatorische rechte Zirkelhand weitgehend hinter der Fahnenstange zu verstecken und auf das aufgerollte Zeichenpapier ganz zu verzichten. Die linke Hand hantiert mit zwei Fingerspitzen an einem gewaltig langen Brustkreuz, das Kögler während seines Hofdienstes mit absoluter Sicherheit nicht öffentlich getragen hat, wo sich doch die Jesuiten, wie berichtet wird, sehr befleißigten, sich anzupassen und wie konfuzianische Mönche aufzutreten, um ja keinen Argwohn am Kaiserhof zu erwecken.











































Eine Randbemerkung zum Abschluß: Ich hatte mich vergeblich darum bemüht, Auskünfte über ein mögliches besseres Portrait von Kögler zu erhalten. Die Antworten, die ich erhielt waren dünn bzw. dünnlippig und die deutschen Jesuiten taten sich wieder einmal durch die Arroganz einer Nicht-Antwort hervor! Ich hatte auch bei den französischen Jesuiten nachgefragt, von wo mir ein Jesuit schrieb, warum ich denn nicht bei den deutschen Jesuiten nachfragen würde und er konnte es gar nicht glauben, als ich ihm schrieb, daß man von denen auf Anfragen meist keine Antwort bekäme…







Aus der Einband-Rückseite von Christian Stücken, Der Mandarin des Himmels, COLLECTANAE SERICA





Aus: Christian Stücken, Der Mandarin des Himmels, S. 291





                  


„Die wenigen Jesuiten, die im Sommer 1723 noch Prestige hatten, war der Hofdolmetscher Parrenin, der Maler Castiglione und schließlich Kögler. Castiglione, an dessen Malerei Yongzheng offenbar Gefallen fand, schien der einzige zu sein, der gelegentlich Zugang zum Palast erhielt, ohne aber von Yongzheng empfangen zu werden…“ Stücken, Seite 234

 

Es lohnt sich, zu dieser kargen Einschätzung über den Maler Giuseppe Castiglione, den Wikipedia-Link als erste kurze Information anzusehen!

http://de.wikipedia.org/wiki/Giuseppe_Castiglione


                                     
                 

Nachricht des Frühlings, von Giuseppe Castiglione; zu sehen sind Kaiser Yongzheng und Kronprinz Hongli

Pater Giuseppe Castiglione (chin. 郎世寧 / 郎世宁, Láng Shìníng; * 19. Juli 1688 in Mailand; † 17. Juli 1766 in Peking, China) war ein italienischer Jesuit, Missionar und Maler in China.


Ich empfehle sehr das Studium dieses Textes:

Die Einführung der Europäischen Malerei in China - Mit Giuseppe Castiglione, einem Missionär und Maler, als Beispiel

http://german.cri.cn/other/malerei/18.htm





 

             

 

Gescannte Zitate aus den Seiten 118-121





...










Zitat aus dem Aufsatz „Ausgangsbedingungen der Jesuitenmission…“ Seite 19f


4. Geheimhaltung der wahren Absichten


Die Missionare waren jedoch s
ehr darum bemüht, ihre Absichten, eine neue wahre Religion zu ver­mitteln, geheim zu halten. Die der chinesischen Kulturwelt schwer verständlichen christlichen Dog­men und Mysterien des Glaubens sollten am Anfang der Mission verheimlicht werden. Dies führte zu Verwirrung unter der chinesischen Gelehrtenschaft, denn sie sahen die Gründe, die von den Je­suiten anfänglich für ihren Ankunft in China genannt wurde, nicht ausreichend begründet. So schrieb ein chinesische Philosoph LI Zhi (1527-1602), der für sein unabhängiges Denken und Schriften bekannt war:

„ [...] Ricci kommt aus dem großen Abendland und hat mehr als 100 000 Li zurückgelegt, um nach China zu kommen. [...] Er hat ungefähr zwanzig Jahre in Zhaoqing gelebt, und es gibt kein einziges unter unseren Büchern, das er nicht gelesen hat. [...] Nun ist er vollkommen fähig, un­sere Sprache zu sprechen, unsere Schriftzeichen zu schreiben und sich an unsere Anstandsregeln zu halten. Er ist ein höchst beachtenswerter Mensch. [...] Aber ich sehe nicht genau, wozu er ge­kommen ist. Ich bin ihn [soll wohl "ihm" heißen] schon drei mal begegnet, und ich weiß noch immer nicht, wozu er ge­kommen ist. Wenn es ihm darum ginge, die Lehren des Herzogs von Zhuo und des Konfuzius durch seine eigenen zu ersetzen, wäre das, so scheint mir, doch allzu dumm. Das kann es also nicht sein.“





Matteo „Ricci gab die erste Weltkarte heraus, auf der China genau in der Mitte der bekannten Welt dargestellt wurde, was den Vorstellungen vom Reich der Mitte entsprach; zudem war es die erste chinesische Karte, in der auch Amerika abgebildet war.“

Quelle: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Matteo_Ricci.html





“In Zhaoqing übersetzten Matteo Ricci und == Michelle Ruggieri ein portugiesisch-chinesisches Lexikon; damit wurde erstmals die chinesische in eine europäische Sprache übersetzt. Ab 1588 war Ricci alleiniger Leiter der katholischen Mission in China; er fand schnell einflussreiche Freunde unter hochrangigen Gelehrten und Beamten, von denen er umfangreiche Kenntnisse über den Konfuzianismus erwarb. 1591 übersetzte er die Abhandlung des griechischen Mathematikers Euklid über Arithmetik und Geometrie, die Elemente und die Kommentare des Mathematikers und Jesuitenpaters Christophorus Clavius, der Riccis Mathematiklehrer war, ins Chinesische.“ Quelle


Clavius war ein bedeutsamer Gnomonist und ist auch ein „Bewohner“ des Salons der Astronomen!


“Die Instituts Ricci mit Sitz in Paris und Taipei übersetzen wichtige Werke aus dem Chinesischen in europäische Sprachen und forschen über chinesische Wissenschaft und Kultur. Das chinesisch-französische Wörterbuch Le Grand Dictionnaire Ricci ist mit 7 Bänden, 13.500 Schriftzeichen und 300.000 zusammengesetzten Wörtern und Wendungen das größte chinesisch-westlichsprachige Wörterbuch.“  Quelle





 Qianlong in his studies

 
Wenn man sich dieses äußerst feine Gemälde des italienischen Jesuiten, Pater Giuseppe Castiglione (chin. 郎世寧 / 郎世宁, Láng Shìníng), genau anschaut, kann man sich leicht vorstellen, daß auch dieser Herrscher wenig Lust verspürte, diese äußerst konspirativ sich verhaltende Jesuitenschar zu empfangen und seine Zeit mit ihnen zu verplempern.

Lassen Sie es sich nicht entgehen, diese feine Werksammlung von Giuseppe Castiglione zu studieren!

https://secure.wikimedia.org/wikipedia/commons/wiki/Giuseppe_Castiglione




Qianlong's handwriting carved into a stone tablet found in the remnants of Old Summer Palace

© Mlogic bei Wikimedia


Können Sie sich einen einzigen derzeit lebenden Staatsführer oder regierenden Fürsten vorstellen, bei dem es sich lohnen würde, eine handschriftliche Aufzeichnung in Stein zu schlagen?



                                 

                                       

                           Abreibung vom Grabstein von Ignaz Kögler aus:


„Zhalan - Die Ruhestätte der Missionare
Aus der Geschichte einer Begegnungsstätte der Kulturen“

© Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001

Daneben steht dieser Begleittext:

Ignatius Kögler, Nachfolger von Kilian Stumpf als Direktor des Astronomischen Instituts, nach dem Urteil des Kaisers "ein ruhiger und bescheidener Mensch" und "Fachmann in der Kalenderberechnung", *1680 in Deutschland, +1764 

                             
                                            


Ignaz Kögler

(Called LAI in Chinese).

 

“Along with Father Adam Schall the most important of the fifty German Jesuits who between 1650 and 1750 worked in the old Chinese missions. Born 11 May, 1680, at Landsberg in Bavaria; died at Peking, 30 March, 1746. He entered the Society of Jesus on 4 Oct., 1696, and taught mathematics and Hebrew from 1712 to 1714 in the University of Ingolstadt [cf. Mederer, "Annal. acad. Ingolstadt.", III, 130 sq. ; Romstöck, "Die Jesuitennullen Prantl's" (Eichstätt, 1898), 178-84], and went to China in 1715. On account of his extraordinary and wide learning he enjoyed great consideration at the imperial court, and held the office of president of the mathematical astronomical tribunal for thirty years. He was a mandarin of the second class, and was even from 1731 a member of the supreme court of equity (Li-pu), a position which had never before been held by a foreigner ("Welt-Bott", No. 676). In accepting these positions, however, he refused the stipends attached to them. Father August von Hallerstein, his co-operator and successor, considers him "one of the most cultivated minds that ever came into these countries" …


For the full text please follow this link !



Fazit:

Eigentlich wollten die Jesuiten ja das große chinesische Reich missionieren und so für die katholische Kirche gewinnen. Doch so sehr sie sich auch anstrengten und mühten und mit allerlei Wissen die Kaiser zu beeindrucken trachteten... ... Letztendlich blieb es - gemessen an dem grandiosen Vorhaben und dem sicherlich sehr beachtlichen Geldeinsatz ein klägliches Scheitern und in der langen chinesischen Kultur- und Religionsgeschichte nicht mehr als eine marginale  Randnotiz.

                                                                                   R. K.




 

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